Memoryspiel

Die Idee für das Memoryspiel geht zurück auf ein Fotoseminar zum Thema "Städte und (T)räume" (SS 2000), in dem ich Menschen auf der Fußgängerzone der "Einkaufsstadt Essen" fotografierte. Hierbei interessierten mich v.a. die bunten Plastiktüten, welche die Leute mit sich trugen und die mit ihren Werbeaufschriften das Wesen der Stadt Essen wiedergeben, die damit wirbt "Einkaufsstadt" zu sein. Die Plastiktüte an sich kann als ein Symbol für das Konsumverhalten des modernen Menschen angesehen werden. Die Leute wurden flüchtig beim Laufen "eingefangen", was auch die Schnell(leb)ig)keit unserer heutigen Gesellschaft zum Ausdruck bringt: "Schnell mal was einkaufen, schnell mal in die Stadt gehen!" Und bezahlt wird ("die Freiheit nehm' ich mir") mit schnellem Geld - der Plastikkarte! Plastikkarten, die Träume erfüllen?

Um die Fotos geeignet zu präsentieren wurden sie auf Plastikkarten in Chipkartengröße abgedruckt. Die Plastikkarte bildet somit gleichzeitig das ab, was mit der Geldkarte gemacht wird: Einkaufen. Die Präsentationsform hebt sich gleichzeitig von der üblichen Form der Fotopräsentation ab. Eine niedrige Auflösung beim Drucken sollte die Flüchtigkeit, die zum Ausdruck gebracht werden soll, verstärken. Durch das Motiv der Plastiktüte wird die Bedeutung der Plastikkarte umgekehrt: Geld, hier in Form einer Plastikkarte, ist eigentlich ein Symbol für Freiheitsanspruch, wirtschaftliche Macht und Überlegenheit und der Schlüssel zur totalen Verfügbarkeit und Erreichbarkeit der Dinge, die das Leben lebenswert machen. Der gesamte Komplex, der am Image der Geldkarte haftet, wird durch die Abbildung einer billigen Plastiktüte verunsichert und entwertet.

Aus den Karten wurde schließlich ein Memoryspiel weiter entwickelt. Der "Betrachter" wird dadurch aktiv, indem er zum Spiel angeregt wird. Die Plastikkarten haben einen haptischen Reiz für den Spieler. Die Karten liegen sehr gut in der Handfläche und haben eine angenehme glatte Oberfläche. Fast jeder ist fasziniert davon die vielen Geldkarten in die Hand zu nehmen.

Jede einzelne Geldkarte - eigentlich eine Art (Identitäts-) Ausweis für den Ein-zelnen, verliert sich in dem Spiel in einer Masse von Karten. Die einzelne Geldkarte wird so zum Symbol für den anonymen Konsumenten.

Die Gestaltung eines Memoryspiels eignet sich übrigens sehr gut als Unterichtsprojekt in den Fächern Kunst und Gestaltung. Es können beliebige Themen gestellt werden. Die Schüler fertigen hierfür entsprechende Fotografien an. Vorgefertigte Memoryspielkarten, die beklebt oder bemalt werden können, kann man z.B. bei Winkler bestellen.

 

Challenge Card Design Plastikkarten GmbH stellte mir freundlicherweise Plastikkarten für den Druck zur Verfügung:

 

 


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